Weihnachten steht nun vor der Tür. Für viele Menschen im Westen ist dies eine – oft stressige – Zeit des Konsums, ohne spirituellen Bezug. Doch für gläubige Christen ist es die Zeit, dem Heiland und Sohn Gottes zu gedenken und ihm zu begegnen.

    Es ist die Zeit der Hoffnung und des Lichts, das Jesus Christus selbst symbolisiert.

    Die Hoffnung auf Frieden steht dabei auch dieses Jahr im Mittelpunkt für Christen und Muslime in vielen Ländern, insbesondere aber im Libanon, im Westjordanland und in Gaza. In Bethlehem wurden erstmals seit Ausbruch des Gazakriegs vor zwei Jahren wieder öffentlich Feierlichkeiten begangen und der große Weihnachtsbaum auf dem Platz vor der Geburtskirche aufgestellt. Die Krippe mit dem Jesuskind auf Trümmern, die Pastor Munther Isaac vor zwei Jahren in der lutherischen Kirche in Bethlehem aufgestellt hatte, bleibt aber in Erinnerung an die Not lebenden Menschen in Gaza auch dieses Jahr stehen.

    In Gaza hat der lateinische Patriarch von Jerusalem Kardinal Pierbattista Pizzaballa die Gemeinde vor Ort besucht, um Segen und Trost zu spenden.

    Der Libanon durfte gar einen Besuch des Papstes erleben, der mit großer Begeisterung – von Christen, aber auch Muslimen – empfangen wurde. Auch sein Besuch stand im Zeichen von Hoffnung auf Frieden und eine sichere Zukunft.

    In Deutschland haben wir deutlich weniger existenzielle Ängste, als die Menschen in Gaza oder anderswo im Nahen Osten. Und dennoch gibt es auch hier ernste Sorgen, Nöte, Ängste und insbesondere Einsamkeit.

    Und so wünsche ich nun allen Menschen, gleich, wo sie wohnen oder welchem Glauben sie angehören, dass Weihnachten ihnen das Licht der Hoffnung bringt und sie Trost, Geborgenheit und Sicherheit finden.

    Mit diesen Wünschen verabschiede ich mich nun in die Weihnachtspause und sehe dem vor und liegenden Jahr gespannt entgegen.

    Die „Schottenkirche“ in Regensburg

    Nach seiner ersten viertägigen Station in der Türkei besuchte Papst Leo XIV. den Libanon. Der dreitägige Besuch dort wurde von den Menschen vor Ort, von Christen aber auch Muslimen, mit großer Begeisterung vorbereitet und begleitet. Überall an der Fahrtstrecke des Papstes säumten Menschen und Fahnen (vatikanisch und libanesisch) seine Wege. In der Hauptstadt Beirut hingen zum Teil riesige Plakate mit dem Bild von Leo XIV. von den Häusern. Eine derartige nationale Euphorie hatte es in der Türkei, wo kemalistische und rechtsradikale Nationalisten gegen den Papstbesuch hetzten, nicht gegeben und es wird sie wohl auch in kaum einem anderen Land in dieser Form geben, derer wir nun Zeuge wurden.

    Woher rührt die Begeisterung? Sie ist wohl nicht alleine aus dem Umstand erklärbar, dass die maronitischen Christen Teil der katholischen Kirche sind und entsprechend erwartungsvoll den Besuch ihres Kirchenoberhaupts erwartet haben. Nein, auch Angehörige anderer christlicher Kirchen waren vom „Papstfieber“ angesteckt, wie es auch nicht wenige Muslime waren, die den Besuch des „baba“, wie der Papst auf Arabisch heißt, feierten. Die Begeisterung war also nicht nur konfessions- sondern religionsübergreifend.

    Rechte: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani. Der Papst beim ökumenischen und interreligiösen Treffen in Beirut.

    Sogar die schiitisch-libanesische „Partei Gottes“ (Hizbullah) hieß den Papst in einer offiziellen Mitteilung des Parteiführers Naim Qassim sowie mittels eines an die päpstliche Botschaft übergebenen Briefs willkommen und begrüßte seine Reise in den Libanon und sprach ihn in dieser mit „Eure Heiligkeit, der höchste Pontifex der katholischen Kirche der Welt“.

    Quelle: Hezbollah message to Pope Leo rejects Israeli aggression, affirms sovereignty and coexistence – Tehran Times

    Der Besuch Leo XIV. weckte also sowohl bei den verschiedenen Bevölkerungsgruppen als auch bei den diversen politischen Akteuren des Landes große Erwartungen, unter anderem auch an die Lösung weltlicher Konflikte. Diese große Hoffnung, die fast schon den Charakter einer Erlöserhoffnung einnahm, ist auf folgende Faktoren zurückzuführen, die den Libanon in den letzten Jahren geprägt haben:

    1. Wirtschaftskrise: „Der Libanon befindet sich seit 2019 in einem langanhaltenden wirtschaftlichen Zusammenbruch, der von Hyperinflation, einem zusammengebrochenen Bankensektor und stark steigenden Armutsraten geprägt ist. Das libanesische Pfund hat über 90 % seines Wertes verloren, was die Kaufkraft drastisch verringert und zu weitreichenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt. Ein Mangel an Devisenreserven hat die Importe lahmgelegt und zu Mangel an Treibstoff, Medikamenten und Lebensmitteln geführt.“ Libanonische Wirtschaft: BIP, Inflation, VPI & Zinssätze – FocusEconomics
    2. Politische Krise und staatliche Dysfunktion: Die politische Krise im Libanon resultiert vor allem aus einem zutiefst fragmentierten politischen System, das auf konfessioneller Machtteilung basiert und dadurch Reformen blockiert. Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von der politischen Elite nicht vertreten, weil diese oft entlang familiärer oder religiöser Loyalitäten agiert statt im Interesse der Gesamtbevölkerung. Die anhaltende Instabilität wird durch wirtschaftliche Not, Korruption und fehlende staatliche Dienstleistungen weiter verschärft. Dadurch wächst der Druck der Bevölkerung auf tiefgreifende strukturelle Veränderungen im politischen System.
    3. Latenter Kriegszustand mit Israel: Israel hat bereits diverse Kriege gegen den Libanon geführt und dabei immer wieder große Teile der Infrastruktur und auch des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung zerstört. Zuletzt führte Israel eine militärische Kampagne durch, die sich von 2023 bis 2024 erstreckte und offiziell dem Ziel diente, die Strukturen der Hezbollah zu zerstören. Allerdings gerieten dabei immer wieder auch Zivilisten in das Visier der israelischen Armee und viele Wohngebäude wurden von der israelischen Armee zerstört und Unbeteiligte getötet (ca. 4.000) oder von ihrem Landbesitz vertrieben. Auch christliche Dörfer im Süden wurden dabei Ziel der israelischen Bombardierungen. Containing Domestic Tensions in War-hit Lebanon | International Crisis Group

    Die Reise wurde mit einer Messe in Beirut beschlossen, an der 150.000 Menschen teilnahmen.

    Wie geht es nun weiter nach dem Besuch? Niemand wird wohl glauben, dass durch einen Besuch die vielen innenpolitischen Probleme des Libanon gelöst oder gar der Konflikt mit Israel beendet werden kann. Aber gerade in Zeiten tiefer Krisen setzte die Visite ein Zeichen der Hoffnung und des Glaubens daran, nicht von der Welt vergessen worden zu sein. Das Schicksal des Libanons und seiner Menschen darf weder Christen noch Muslime gleichgültig sein. Der Libanon ist ein Ursprungsland des Christentums und ein Land der Koexistenz verschiedener Religionen und Konfessionen.

    Frieden und Stabilität für den Libanon dürfen nicht nur ein frommer Wunsch sein sondern sie müssen durch eine aktive Friedenspolitik geformt werden. Papst Leo erinnert mit seinem Besuch hieran und teilt der Welt mit, den Libanon nicht zu vergessen sondern den Menschen dort zu im besten christlichen Sinne beizustehen.

    Und so ließ sich auch der Papst selbst von der ihm entgegen gebrachten positiven Energie mitreißen und rief der versammelten Jugend zu:

    „Lasst die Welt in Hoffnung erblühen“

    Beobachter sahen gar die „Entfesselung als Papst“, die durch die Reise ausgelöst wurde, der nun zurückkehre als „Papst, der im Libanon zu einer neuen, kraftvollen Rolle gefunden hat.“ Vgl. https://katholisch.de/artikel/66083-lasst-welt-in-hoffnung-erbluehen-papst-findet-in-libanon-seine-rolle

    Für einen Bericht in einem deutschen säkularen Medium zum Papst-Besuch möchte ich noch den folgenden Artikel empfehlen:

    https://taz.de/Papstbesuch-im-Libanon/!6134794/

    Der Besuch des Papstes im türkischen Iznik in diesen Tagen macht weltweit Schlagzeilen, führte seine erste Auslandsreise Leo XIV. ausgerechnet in ein Land, das zumeist als tief islamisch geprägt gilt. Doch hat die Türkei eben auch ein altes christliches Erbe vorzuweisen, welches bis heute wirkt. Dort, wo heute die Stadt Iznik liegt, fand vor 1700 Jahren das wohl wichtigste und richtungsweisendste theologische Treffen der frühen Kirchengeschichte statt: Das Konzil von Nizäa.

    Das Konzil von Nizäa wurde im Jahr 325 vom römischen Kaiser Konstantin einberufen, um die andauernden Streitigkeiten innerhalb des jungen Christentums zu theologischen Fragen zu beenden und gemeinsame Grundlagen der Religion und Kirche zu finden und zu beschließen. Im Zentrum der – teils erbittert geführten – Diskussionen stand insbesondere die Frage nach dem theologischen Verständnis von Jesus Christus als Sohn Gottes. Auf dem Konzil von Nizäa wurden die Weichen für das heute weitgehend bekannte Konzept der Trinität geschaffen, also die Wesenseinheit Gottes im Vater, Sohn und Heiligen Geist. Als ein überliefertes Ergebnis, in dem sich die damals gefundenen theologischen Dogmen niedergeschlagen haben, ist Nicäno-Konstantinopolitanum oder Großes Glaubensbekenntnis genannt, bekannt.

    Ausgrabungen des antiken Nizäa, Iznik, Quelle: Archäologe Kopp skizziert Bedeutung von Nizäa für die Christenheit | DOMRADIO.DE

    Ein bis heute bekannter Teilnehmer war übrigens der Bischof von Myra, einer Stadt in der Südtürkei, den wir bis heute als „Nikolaus“ kennen und alljährlich am 6. Dezember ehren.

    Papst Leo XIV. nutzte ein ökumenisches Treffen am 28. November, um an dieses Konzil und die damals getroffenen Vereinbarungen und Grundsätze anzuknüpfen und hieraus eine wichtige aktuelle Botschaft abzuleiten. In seiner Rede unterstrich er die Bedeutung der Einheit aller Christen, ging aber hierüber hinaus und rief auch zur Einheit mit allen Menschen, unabhängig ihrer Religion und Herkunft auf.

    Im Wortlaut sagte der Papst:

    „Es gibt eine universale Geschwisterlichkeit, unabhängig von Ethnie, Nationalität, Religion oder Meinung. Die Religionen sind von Natur aus Hüter dieser Wahrheit und sollten die einzelnen Personen, Gruppen von Menschen und Völker dazu ermutigen, sie anzuerkennen und zu praktizieren (vgl. Ansprache beim Gebetstreffen für den Frieden, 28. Oktober 2025). Das Heranziehen von Religion, um Krieg und Gewalt zu rechtfertigen, muss, wie jede Form von Fundamentalismus und Fanatismus, entschieden abgelehnt werden, während die Wege, die wir einzuschlagen haben, jene der geschwisterlichen Begegnung, des Dialogs und der Zusammenarbeit sind.“

    Quelle: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2025-11/wortlaut-iznik-leo-xiv-oekumene-konzil-nizaea-tuerkei-glaube.html

    Quelle: VaticanMedia

    Es ist sicher eine Aufwertung für die Christen in der Türkei, dass der sich Papst für seine erste Reise die Türkei ausgesucht hat und es ist ein gutes Zeichen für alle Christen, dass damit ein weiterer Schritt der Annäherung zwischen orientalischer und westlicher Kirche getan wurde. Die Worte des Papstes waren sicher sorgfältig gewählt, um die erste Brücke, über die man nun gemeinsam geht, zu festigen und zu erweitern. Nach dem Besuch des Patriarchen von Antiochien im türkischen Tur Abdin Ende August 2025 ist dies nun als ein weiteres Zeichen zu werten, dass die Christen in der Türkei ein neues Selbstbewusstsein pflegen und in westlicher wie östlicher Kirche eine Art Wiederentdeckung ihrer Glaubensgeschwister stattfinden könnte.

    In der katholischen und evangelischen Tradition ist das Fasten vor Weihnachten mittlerweile nicht oder kaum noch bekannt. Stattdessen wird in den westlichen Kirchen eine rein geistige Einkehr und spirituelle Besinnung praktiziert. Gefastet wird hingegen in Vorbereitung auf die Osterzeit.

    Doch das ursprüngliche Christentum kannte das Fasten vor Weihnachten und diese Tradition wird bis heute von der byzantinischen Kirche bewahrt und gelebt. Die Fastenzeit, die auch als Philippus-Fasten bekannt ist, dauert – wie auch das Fasten vor Ostern – 40 Tage und beginnt am 15. November. Es wird auf Fleisch, Milchprodukte, Eier und andere tierische Produkte verzichtet. Fisch ist lediglich an bestimmten Tagen erlaubt. 

    Das Fasten soll die innere Einkehr auch physisch begleiten und durch die Abkehr von übermäßigen Genuss den Geist für die kommende Ankunft Jesus Christus öffnen.

    Und so könnte es auch für den ein oder anderen Christen katholischer oder evangelischer Prägung eine durchaus interessante Erfahrung darstellen, sich dieser selbst auferlegten asketischen Schranken zu unterwerfen und die Weihnachtszeit nicht als Zeit der Völlerei und des süßen und herzhaften Genusses zu begreifen, sondern als Zeit der Abkehr von weltlichen Einflüssen und der Konzentration auf Spiritualität und Geistlichkeit. Und so kann das Fasten gerade in einer Welt, die von Konsum und Hedonismus geprägt ist, einen spirituellen Gegenwert leisten, der den Leib, den Geist und die Seele auf die Weihnachtszeit ganz anders vorbereiten kann, als Glühwein, Bratwurst und kandierte Früchte.

    Quelle: eastern_christians (Instagram)

    1869 wurde im türkischen Mardin, dem damaligen Sitz sowohl der syrisch-katholischen Kirche als auch des syrisch-orthodoxen Patriarchen, der spätere Bischof Ignatius Maloyan als Choukrallah (Dank Gottes) geboren. Mit 14 Jahren ging er an das Priesterseminar im Libanon, wo er 1896 zum Priester geweiht wurde und fortan den Namen Ignatius trug.

    Nach Wirken in Alexandria und Kairo, wurde Ignatius 1911 zum Erzbischof von Mardin gewählt.

    Trotz guter Kontakte zu Vertretern des Osmanischen Staats geriet er in die Wirren des 1. Weltkriegs und ins Visier des Hauptkommissars der Polizei von Mardin, der ihn später vor die Wahl stellen sollte, zu konvertieren und sein Leben zu retten oder aber zu sterben.

    Ignatius schwor der Religion und Christus nicht ab und wurde letztlich nach Folter und Gewalt 1915 vom Hauptkommissar getötet.

    Bereits 2001 sprach Papst Johannes Paul II. Ignatius als Märtyrer selig. Nun wurde er am 19. Oktober von Papst Leo XIV. heilig gesprochen. Sein Leben soll als Vorbild für Standhaftigkeit im Glauben im Angesicht des „Großen Bösen“ (great evil), wie der Genozid an den armenischen, syrischen und griechischen Christen in der Türkei zwischen 1894 und 1923 genannt wird, und des Todes dienen.

    In diesem Blog möchte ich bei Gelegenheit auch über positive Beispiele für Koexistenz und Kooperationen zwischen Christen und Muslimen in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften berichten. Solche Beispiele gibt es und sogar mehr, als man vielleicht denken man, auch wenn einige Autor*innen durch ihre Themenauswahl und Schwerpunktsetzungen in Publikationen zur Situation von Christen im Nahen und Mittleren Osten einen anderen Eindruck vermitteln mögen. Richtig ist, dass Christen im Nahen und Mittleren Osten immer wieder auch unter Druck geraten. Teilweise durch islamistische Kräfte und Terroristen, aber teilweise auch – wie die jüngsten Ereignisse in Gaza, Westjordanland und auch in Libanon zeigen – durch israelische Militär- und Siedlungsmaßnahmen. In der Zeit der Sowjetunion hingegen leideten Muslime und Christen in den Ostblockstaaten gleichermaßen unter der strikten antireligiösen Haltung des Stalinismus.

    Teilweise ergeben sich dann wiederum erstaunliche Konstellationen, bei denen die herrschende islamische Partei AKP sich als besserer Kooperationspartner für Christen im Land herausstellt, als die „laizistischen“ Vorgänger, wie zuletzt der Bericht über Tur Abdin in der Türkei zeigte. Eine simplifizierende schwarz-weiß-Sicht auf die Situation des Christentums in muslimischen Mehrheitsgesellschaften wird den vielschichtigen Lebensumständen eben nicht gerecht. Daher ist es ein Anliegen des Blogs, sich zuweilen von dem problemorientierten Blick zu lösen und nach positiven Beispielen für das Zusammenleben zu suchen.

    Eine Geschichte, über die ich über das Nachrichtenportal balkaninsight.com aufmerksam wurde, spielt sich in Albanien ab. Ja, auch Albanien gehört zu den mehrheitlich muslimischen Ländern und durch die Geschichte als Teil des Osmanischen Reiches – immerhin über 400 Jahre – ist das Land sowohl europäisch als auch muslimisch geprägt, ähnlich wie Bosnien.

    Heute stellen Christen in Albanien einen Anteil von etwa 17%, davon 10% Katholiken und 7% Albanisch-Orthodoxe. Im Nordosten des Landes liegt die Region Debir, wo die Anzahl der Christen heute verschwindend gering ist. Kirchen aus der byzantinischen Ära (3. bis 15. Jhd.), die dann auch während der folgenden Osmanischen Herrschaft Bestand hielten, zeugen von der jahrhundertealten christlichen Tradition und auch vom Zusammenleben von Christen mit einer später mehrheitlich muslimischen Bevölkerung. Die Kirchen wurden von den Dorfbewohnern gemeinsam vor dem Verfall bewahrt, von Christen und Muslimen gemeinsam. Teilweise wurden auch gemeinsame Feste in den Kirchen begangen. Hätte es diesen Zusammenhalt nicht gegeben, würden diese Zeugnisse des frühen Christenstums in der Region heute nicht mehr Bestand haben. Muslime und Christen konnten vielerorts im Osmanischen Reich friedlich nebeneinander und beieinander wohnen, arbeiten und leben. Zum Teil, und das zeigt das Beispiel Debir, ist es gelungen, diese friedliche Koexistenz bis in die heutigen Tage zu erhalten.

    Für eine tiefergehende Befassung mit dem Thema Christentum in Albanien empfehle ich den Sammelband „Religion und Kultur im albanischsprachigen Südosteuropa“, Hrgs. J. O. Schmitt, 2010.

    Die Geschichte auf Balkan Insight findet ihr hier: In Albania, Christians and Muslims Unite to Protect Religious Heritage | Balkan Insight

    Urheber: Acimena.com

    In Libanon, Syrien und Irak haben Christen auch in diesem Jahr am 14. September das „Fest des Kreuzes“ (Arabisch: `Eid as-salib) begangen.

    Das Fest – auch bekannt als das Fest der Kreuzerhöhung oder Fest des Triumphes des Kreuzes – erinnert an drei historische Ereignisse: die Entdeckung des Wahren Kreuzes im Jahr 326 durch St. Helena (Mutter des römischen Kaisers Konstantin I.), seine erste Erhöhung zur öffentlichen Verehrung im Jahr 335 und die Wiedererlangung des Kreuzes aus den Händen der Perser im Jahr 628 n. Chr.

    Das Fest heute ist aber mehr als reine historische Tradition, sondern erinnert an  die Überwindung des Leids und die Erlösung durch Christus.

    In jedem Jahr steigen etwa Christen im syrischen Maloula auf den dort gelegenen Berg und entzünden oben angelangt ein Feuerwerk in Form eines Kreuzes. Dieses Jahr fiel die Feier aufgrund der politischen Situation und der vorangegangenen Anschläge auf Kirchen jedoch weniger ausgelassen aus.

    Auch in Libanon füllen sich die Straßen mit Menschen, die Kreuze tragen und auch hier gehören Fackeln, Kerzen und Feuerwerk zu den Festivitäten.

    Jedes Jahr zum Fest des Kreuzes wird das Symbol der Christenheit in der Region seiner Entstehung deutlich sichtbar präsentiert und gefeiert. Im Westen hingegen haben nur wenige Geschwister von dieser Tradition Kenntnis, die doch ein wunderschönes Symbol des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung ist.

    In diesem Sinne: Eid Mubarak! (Frohes Fest)

    Mit Informationen von Herrn Abut Can, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, der den Besuch des Patriarchen vor Ort miterleben durfte.

    Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Afram II. hat die südosttürkische Stadt Tur Abdin besucht, nachdem der letzte Patriarchatenbesuch 43 Jahre zurücklag. Entsprechend wurde der Besuch als starkes Zeichen der Aufmerksamkeit und Aufwertung der Beziehungen zwischen dem Patriarchat und der christlichen Gemeinschaft in Tur Abdin gewertet.

    Der Besuch war ursprünglich bereits für 2023 geplant, wobei dann das große Erdbeben in der Türkei die Pläne durchkreuzte und eine Verschiebung des Besuchs zur Folge hatte.

    Für das syrisch-orthodoxe Christentum ist Tur Abdin eine bedeutsame Region, in der Kirchen und Klöster aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus liegen. Von den einst etwa 200.000 Christen leben heute noch ca. 2600 Menschen vor Ort. Die meisten Menschen wurden in den 1980er und 1990er Jahren vertrieben, insbesondere nach der Machtergreifung des Militärs unter Führung von Gen. Kenan Evren 1980. Die kemalistische Militärdiktatur unterdrückte insbesondere Minderheiten und führte zu einer großen Fluchtwelle auch von Christen aus ihren angestammten Orten und Regionen. Erst mit der Präsidentschaft von Recep Tayyip Erdoğan besserte sich paradoxerweise die Lage der Christen in der Türkei schrittweise. So wurde beispielsweise von den Behörden bereits beschlagnahmtes christliches Klosterland per Präsidentendekret an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Auch der jetzige Besuch des Patriarchen fand mit Billigung und Unterstützung der türkischen Regierung und der lokalen Regierungsvertreter statt. Bezeichnend für die neue Haltung gegenüber den Christen in der Region war auch die Verwendung des vollständigen Titels des Patriarchen durch türkische Regierungsvertreter, wie Herr Can im Interview mitteilte.

    Mehrere Bischöfe, darunter auch der Bischof von Istanbul, begleiteten den Patriarchen auf seiner Reise in verschiedene noch besiedelte Ortschaften und zu Klöstern und Kirchen. Besonderes Aufsehen erregte das Geschenk des Patriarchen an den Bischof von Tur Abdin, dem er sein eigenes Kreuz überreichte.

    Bis zur Gründung der kemalistischen Republik Türkei war das Kloster Deir az-Zafaran bei Mardin in der Türkei von 1160 bis 1932 Sitz des Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche. Sollte sich die Sicherheitslage in Damaskus weiter verschärfen und die türkische Regierung weiterhin ihren offenen Kurs gegenüber Christen fortführen, so könnte das Patriarchat eventuell in Zukunft auch wieder in die angestammte Heimat zurückkehren. Doch bislang gibt es für diese Vermutung keine offiziellen Verlautbarungen oder Hinweise. Über weitere Entwicklungen hierzu sowie zur Lage in Tur Abdin und Mardin wird der Blog berichten.

    Klöster und Kirchen in Tur Abdin. Mit freundlicher Genehmigung von Abut Can (Urheber).

    Die katholische Nachrichtenagentur Acimena und andere Medien berichteten heute von einem israelischen Bombardement auf Gaza, bei dem die einzige katholische Kirche vor Ort getroffen wurde. Mindestens zwei Menschen sollen dabei gestorben sein.

    Seit Kriegsbeginn wurden in Gaza von Israel immer wieder Kirchen und Moscheen angegriffen und zerstört.

    Sind Gotteshäuser durch das Völkerrecht geschützt? Die Antwort ist eindeutig ja, sofern sie nicht durch eine Kriegsparteie zu militärischen Zwecken genutzt bzw. missbraucht werden.

    In Bezug auf Russland, das in der Ukraine ebenfalls zahlreiche Kirchen attackiert hat, schrieb Domradio.de zu dieser Frage:

    „Schaut man in die Liste der Kriegsverbrechen der Vereinten Nationen und in die Texte, die zum „Humanitären Völkerrecht“ zählen, findet man nirgends den Satz, dass Gotteshäuser von Kriegshandlungen verschont werden sollen. Allerdings gibt es verschiedene Regelungen, die Kirchen, Synagogen oder Moscheen mit einschließen. „Das ´Humanitäre Völkerrecht´ lässt nur direkte Angriffe gegen militärische Ziele zu. Dazu zählen definitiv keine Gotteshäuser,“ sagt dazu Bernhard Koch vom Institut für Theologie und Frieden in Hamburg gegenüber DOMRADIO.DE.“

    Quelle: https://www.domradio.de/artikel/weshalb-bombardiert-russland-kirchen-der-ukraine

    Gotteshäuser kommen also auch in anderen Kriegen und Konflikten unter Beschuss, auch wenn dies eine grundsätzlich rechtswidrige Kriegshandlung darstellt.

    Die Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

    Nach den Angriffen radikaler israelischer Siedler auf das christliche Dorf Taybeh (s. Bericht unten) haben sich am vergangenen Montag, der 14. Juli, Kirchenführer verschiedener Konfessionen in Taybeh eingefunden, um ihre Solidarität mit den Einwohnern und ihre Besorgnis über die jüngsten Angriffe auf das Dorf und die dort liegenden religiösen Stätten, wie das St. George Kloster aus dem 5. Jahrhundert, zum Ausdruck zu bringen.

    Bildquelle: A plea for peace from Taybeh – Vatican News

    Im Anschluss an den Besuch veröffentlichte das Patriarchat von Jerusalem zusammen mit den Führern der Kirchen im Heiligen Land eine Erklärung, in der sie sich mit einem Appell an Politiker*innen, Diplomat*innen und Kirchenführer*innen richten, die zum Schutz von Taybeh und seiner Einwohner aufgerufen werden. Der gesamte Text der Erklärung findet sich unten stehend.

    Christliches Leben sieht sich nicht nur im besetzten Westjordanland sondern auch in West-Jerusalem und anderen Teilen Israels zunehmenden Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt.